Mansio Christi, Mai 2022

Jesaja

Kein Glaube – Jesaja 1, 1 – 17 (7. April)

Jesaja war Prophet im Südreich, also, als Israel bereits in zwei Reiche zerfallen und das Nordreich bereits von fremden Königen beherrscht wurde. Der Prophet lehrte ab ca. 739 v. Chr., dem Todesjahr von König Ussija. Er lehrte unter den Königen Ussija, Jotham, Ahas und Jehiskia (Hiskia). Nach jüdischer Überlieferung wurde er unter König Manasse hingerichtet.

Recht und Gnade – Jesaja 1, 18 – 31 (8. April)

Gott ruft sein selbstsüchtiges, selbstgefälliges und überhebliches Volk zum Rechtsstreit mit ihm auf und es ist klar: Hier geht es um eine Vertragsverletzung!

Alle Nationen unter einem Gott – Jesaja 2 (9. April)

Jesaja schaut auf den Tag des (jüngsten) Gerichts. Gott hat hier offensichtlich nicht nur für sein eigenes Volk geplant, denn hier steht erstmals, dass alle Nationen – also alle Heidenvölker – zum Berg Zion strömen werden.

Schlechte Angewohnheiten – Jesaja 3 (10. April)

„Sagt: Der Gerechte, ja glücklich ist er; / denn sie werden die Frucht ihrer Taten essen.“ (Jes 3, 10)

Und jetzt folgt der Richterspruch – oder genauer: die Begründung des Urteils.

Die weltlichen und vor allem die geistigen Anführer des Volkes wurden ihrer Aufgabe und Verantwortung nicht gerecht, im Gegenteil. Sie leiteten das Volk nach eigenen egoistischen Maßstäben, nicht nach dem vorgegebenen Gesetz.

Das Friedensreich Gottes – Jesaja 4 (11. April)

Doch Gott verurteilt am Tag des Gerichts nicht nur die Uneinsichtigen, die sich nicht unter seiner Gnade gebeugt haben, „der Spross des HERRN“ (Jes 4, 2), an anderen Stellen des Heiligen Buches Sohn des Menschen (z.B. Dan 7, 13) oder auch Sohn Gottes (z.B. Ps 2, 6-8) genannt, also der Messias oder – neutestamentlich – der Christus wird als König über das Friedensreich Gottes gesetzt.

Ein frühes Weinberg-Gleichnis – Jesaja 5, 1 – 17 (12. April)

Schon über ein halbes Jahrtausend vor Jesus greift Gott durch den Mund Jesajas das Bild des Weinbergs als Bild für sein Volk auf. Und auch hier, im Lied vom Weinberg, kommt das Volk sehr schlecht weg.

Schuld und Verantwortung – Jesaja 5, 18 – 30 (13. April)

Gott hat durch Jesaja den Schuldspruch und die Begründung geoffenbart. Jetzt, in den weiteren Wehe-Rufen, erklärt er noch, welches im Volk verbreitete Verhalten zu diesem Verhängnis führte.

Die Berufung – Jesaja 6 (14. April)

„Bleibt darin noch ein Zehntel, / so soll es erneut abgeweidet werden, wie bei einer Eiche oder Terebinthe, / von denen beim Fällen nur ein Stumpf bleibt. Heiliger Same ist sein Stumpf.“ (Jes 6, 13)

Nachdem wir nun, quasi im Vorwort zum Buch des Propheten erfahren haben, was die Situation im Volk Gottes und die Reaktion Gottes darauf ist, beginnt das eigentliche Buch mit der Erscheinung Gottes in einer Vision des Jesaja.

Der Plan Gottes – Jesaja 7 (15. April)

Der König des Nordreichs Israel – im Alten Testament auch nach dem Stamm Efraim benannt – hat sich mit dem König der Aramäer verbündet und beide ziehen gegen Jerusalem und das Südreich Juda.

Niedergang und Rettung – Jesaja 8 (16. April)

„Nennt nicht alles Verschwörung, was dieses Volk Verschwörung nennt, und vor dem, was es fürchtet, fürchtet euch nicht und erschreckt nicht davor!“ (Jes 8, 12)

Der Vers 12 ist beispielhaft für ein gottloses Volk. Hinter allem, was solche Menschen in irgendeiner Weise begrenzt oder belastet wittern sie eine Verschwörung. Wer an Gott glaubt fürchtet Entwicklungen, die sich seinem direkten Einfluss entziehen nicht; der Gläubige fürchtet Gott, der seinen Plan in der ganzen Schöpfung verwirklicht und der hier dem gläubigen Jesaja verkündet, dass schon in kürzester Zeit der König von Assyrien das Land besetzen und tributpflichtig machen wird.

Doch auch das wird nur eine Episode sein, in dem Land, das Gott nun dem im vorigen Kapitel erwähnten Retter Immanuel zum Besitz gibt.

„Den HERRN der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; er sei eure Furcht und euer Schrecken! So wird er [euch] zum Heiligtum werden; aber zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns für die beiden Häuser Israels, zum Fallstrick und zur Schlinge für die Bewohner von Jerusalem, sodass viele unter ihnen straucheln und fallen und zerbrochen, verstrickt und gefangen werden.“ (Jes 8, 13-15)

Gott spart vor seinem Propheten nicht mit Offenbarungen. Der Messias wird das neue Heiligtum sein und somit den bisherigen Tempel ablösen. Doch genau an dieser Entscheidung Gottes werden sich die Geister des Volkes scheiden. Und der Messias wird vom „Weg am See“, im Gebiet der Heiden kommen; damit ist Galiläa und der See Genezareth gemeint.

Gott macht sich hier auch über sein Volk lustig, das eher den Toten glaubt als ihrem lebendigen Gott. Wir sollten das tunlichst nicht tun, denn wir sind nicht besser. Wir holen uns unsere Erkenntnis vielleicht nicht mehr von den Toten, wohl aber von dem Toten, also all den toten Dingen, die wir uns geschaffen haben und die uns umgeben. Wer auch nach der Finanzkrise von 2008, ausgelöst von einer Immobilienblase, immer noch glaubt, dass Geld und Güter die Wahrheit seien, der sollte seine Augen und Ohren überprüfen lassen. Wer seit der russischen Invasion der Ukraine, die bereits 2014 begann, immer noch glaubt, dass internationale Verträge und gegenseitige Verflechtungen genauso verlässlich und friedenssichernd seien, wie die Nächstenliebe, die Gott von uns fordert, der kann auch genauso gut die Toten auf den Schlachtfeldern um Rat fragen. Der Frieden, den die Welt uns bietet, ist alles andere als verlässlich.

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