Mansio Christi, Mai 2022

Die Nichtigkeit der Götzen – Jesaja 40 + 41 (10. – 12. Mai)

„Wisst ihr nicht, hört ihr nicht? / Wurde euch nicht kundgetan von Anbeginn? Habt ihr nicht begriffen / die Fundamente der Erde?“ (Jes 40, 21)

Gott kündigt Erkenntnis und Rettung für sein Volk an. Eine Stimme aus der Wüste wird das Eintreffen des Herrn bei seinem Volk ankündigen. Wir wissen heute, dass damit Johannes der Täufer gemeint war.

Doch zunächst müssen die Gläubigen den Unterschied zwischen diesem ewigen Gott und den von ihnen erschaffenen Götzen erkennen, d.h., sie müssen erkennen, dass sie Götzen anbeten. Was kennzeichnet einen Götzen: Es ist ein Gegenstand der Anbetung, in jener Zeit meist aus wertvollen Rohstoffen hergestellt; es sind Statuen und Ikonen. Wie die Anbetung stattzufinden hat, ist in festen unveränderlichen Riten und Gesetzen, also einer Religion, festgelegt. Im Allgemeinen entwickelten sich dabei Bildnis und Religion parallel. Dabei wird zumeist angenommen, dass vom Bildnis selbst göttliche Macht ausströmt.

Auch die Juden hatten in den Anfängen so ihre Probleme die ihnen von Gott gespendete Religion von den weltlichen zu unterscheiden; zu ähnlich waren die äußerlichen Merkmale. Von Anfang an vermischte sich immer wieder der Glaube an den sie befreienden Gott mit den Götzenreligionen in der Region. Darum macht Gott hier noch einmal deutlich, was Götzen sind – und wiederholt damit auch gleich nochmal indirekt, warum Bildnisse von Gott die Gläubigen in die Irre führen.

Heute sind unsere Götzen natürlich meist keine Statuen mehr, auch wenn viele Rituale der Heiligen- und Reliquienverehrung besonders in der katholischen und der orthodoxen Kirche deutliche Parallelen zu einer Götzenreligion aufweisen. Nein, die Götzen der Menschen hängen heute allesamt mit unserem körperlichen Wohl und Wohlstand zusammen. Die Suche nach dem Selbst ist heute oft von der Suche nach Gott abgekoppelt und muss so zwangsweise ins Leere laufen.

Um Gott zu erkennen, um mich selbst in Gott zu erkennen, muss ich zuerst anerkennen, dass alles, was mich umgibt von Gott geschaffen und damit sein Eigentum ist. Nichts, was existiert ist für sich wirklich und wahrhaftig von Wert, auch ich nicht. Mein Wert als Mensch besteht darin, dass ich von Gott erkannt bin. Von Gott erkannt, von Gott gerufen zu sein ist der einzige Wert. Aus dieser Sichtweise heraus muss ich lernen, die Welt, die mich umgibt, neu wahrzunehmen.

In der Schöpfung beauftragt Gott Adam allen Dingen und Lebewesen einen Namen zu geben. Nur der Mensch erhielt von Gott seinen Namen. Es ist keine biologische Eigenschaft, die uns aus der Schöpfung heraushebt, im Gegenteil. Betrachten wir (nur) die Natur – oder auch das Universum – als Schöpfung, sind wir darin höchst durchschnittlich und inzwischen eher ein Schädling als ein Nützling. Betrachten wir die Schöpfung aber als Gottes Eigentum, etwas von Gott Geschaffenes, das ein klar definiertes Ziel (jenseits der Möglichkeiten der Natur) erreichen wird, so gibt es am Anfang nur Gott, der seinem Geschöpf Mensch die übrige Schöpfung übergab, damit dieser daraus die Erkenntnisse gewinnt, die er in diesem, aber vor allem auch im nächsten Leben braucht. Es geht also darum, sich selbst in der Beziehung zum Schöpfer zu erkennen. Es geht hier also nicht um einen Auftrag zur Ausbeutung von Ressourcen, sondern um Erwerb von Erkenntnis – das ist unser Auftrag. Natürlich ist es aber auch logisch, dass du aus etwas keine neuen Erkenntnisse mehr gewinnen kannst, sobald du es zerstört hast.

Ein erster Schritt zur Erkenntnis der Größe Gottes wäre damit die Erkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit in dieser gewaltigen Schöpfung ohne den Gott, der mir Bedeutung gibt. Bei nüchterner Betrachtung der Welt und unserer selbst verursachten Probleme darin ist das zugegeben noch ein weiter Weg.

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