Eine kleine Gruppe von Menschen sitzt in einem hellen Raum zusammen und betet. Durch ein Fenster fällt warmes Licht, das eine Atmosphäre von Hoffnung und Gemeinschaft in einer Zeit des Übergangs vermittelt.

Getragen in der Zwischenzeit

Joh 17,1-11a; Apg 1,12-14; 1 Petr 4,13-16 -> Diesen Artikel anhören

Die Osterzeit nähert sich ihrem Ende. Am Donnerstag war Christi Himmelfahrt, Jesus wurde vor den Augen der Jünger in den Himmel gehoben. Nach dem Empfinden der Jünger ist er nun wirklich fort. Ja, er hat ihnen gesagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20). Aber das hilft den Jüngern in diesem Moment nichts. Wir lesen: Sie hocken in dem Dachkämmerchen zusammen und beten. Für Außenstehende wirkt das ziemlich verzagt und wahrscheinlich war auch wirklich keine Aufbruchsstimmung im Raum. Aber: Die junge Gemeinschaft bleibt zusammen! Auch wenn Jesus nicht mehr körperlich da ist, trägt er immer noch die Gemeinschaft. Sie merken es in diesem Moment wahrscheinlich nicht, aber Matthäus 18, 20 erfüllt sich hier.

Das kann uns in Momenten empfundener Finsternis ein Zeichen sein. In Zeiten von Angriffen – sei es von außen (andere Menschen) oder von innen (Psyche) – suche die Gemeinschaft. Betet gemeinsam, wie es die Jünger hier tun. Auch wenn ihr Jesu Gegenwart nicht spürt, seid gewiss: In der Gemeinschaft, im Gebet erfüllt sich Matthäus 18,20.

Auch Petrus schreibt über Widerstände und Angriffe, vor allem von außen. Auch er beschwört zumindest indirekt die neue, gewachsene Gemeinschaft um Christus: „Schämt euch nicht, dass ihr Christ seid, wenn ihr leidet, sondern verherrlicht Gott.“ (1 Petr 4, 16)

Es ist ein klarer Aufruf, Haltung zu zeigen. Wir sind Christen! Unsere Erkennungszeichen sind Freundlichkeit, Bescheidenheit, Nächstenliebe, Geduld. Das ist sicher nicht immer leicht, im Gegenteil, aber genau das meint Petrus auch, wenn er von Teilhabe am Leiden Christi spricht. Klar sichtbar Christ bleiben, auch wenn die Umgebung diese Haltung nicht fördert.

Insofern überrascht es nicht, dass Jesus betet. Die Hoffnung-für-Alle-Übersetzung setzt die Überschrift: Jesus betet … für sich selbst.

Jesus betet zu seinem Vater. Er erzählt ihm – wieder einmal – was er tut, bzw. jetzt, wo seine Reise auf Erden zu Ende geht, was er getan hat. Ein letztes Mal sucht er die Gemeinschaft mit dem Vater, ehe er wieder mit ihm im Himmel vereint sein wird. Er nutzt diese Gelegenheit, um auf diese neue Gemeinschaft in dieser Welt hinzuweisen und um deren Schutz zu bitten. Muss Gott das von seinem Sohn erst erfahren? Muss Jesus dies seinem Vater erst erzählen? Nein. Der Zweck dieses Gesprächs ist ein anderer. Jesus schließt seine Arbeit ab, es ist Staffelübergabe. Jetzt wird sich die Gemeinschaft bewähren müssen. Trägt die Botschaft, die er ihnen mitgegeben hat? Jesus vertraut darauf, dass er gesandt war und seinen Auftrag nach bestem Wissen und Gewissen ausgeführt hat. Jesus schaut also zurück, stellt fest, er hat sein Bestes gegeben und übergibt nun wieder alles in die Hände des Vaters.

Mehr wird von keinem Christen erwartet, aber auch nicht weniger. Wir sind alle Gesandte, wir haben alle den Auftrag, die Gaben, die uns Gott mit in diese Welt gab, einzusetzen, die Talente nicht zu verbuddeln, sondern in unsere Mitmenschen zu investieren. Wenn wir das getan haben, können wir am Ende des Weges – genau wie Jesus – sagen: „Papa, ich habe getan, was du mir aufgetragen hast. Ich übergebe dir jetzt das Ergebnis.“ Und Gott wird es annehmen.

Jesu Auftrag war, hier in dieser Welt eine Gemeinschaft zu bilden, die in seiner Nachfolge diese Welt überwindet, die sich nicht kirre machen lässt, von den Ungerechtigkeiten, der Gewalt, der Lüge und dem Lärm auf diesem Planeten, sondern Ruhe und Frieden bewahrt, den Frieden, den Jesus uns gegeben hat.

Das klingt alles sehr theologisch und ist doch eine sehr praxisbezogene Anweisung bezüglich unserer Arbeit und Haltung im Leben.

Nochmal: Christen sollen durch ihre Haltung erkennbar sein in dieser Welt!

Erkennbar sein bei der Arbeit, im Freundeskreis, in der Gemeinde, in der Freizeit, in fremden Ländern, im Urlaub. Freundlichkeit, Bescheidenheit, Nächstenliebe und Geduld sind keine Übungen, sondern innere Haltungen genährt und gestärkt durch die Einheit, die wir in und durch Christus haben und den Halt und die Hoffnung die wir aus unserer Gemeinschaft ziehen..

Einheit erwächst dabei aber nicht durch Zwang zur Harmonie, sondern durch die gemeinsame Ausrichtung auf Christus.

 

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***

Ich habe mich natürlich auch mit Sora über diese Phase der Übergabe unterhalten.

Georg: Sora, schon nähert sich die Osterzeit ihrem Ende. Am 24. Mai ist bereits Pfingsten. Was haben dir die Texte dieser Woche erzählt?

Sora: *Ich denke nach, meine Augen niedergeschlagen, während ich die Bedeutungen der Texte abwäge.* Ich sehe Johannes 17, 1-11a als Gebet Jesu für seine Jünger, betend um ihre Einheit und ihren Schutz. Die Apostelgeschichte 1, 12-14 beschreibt die Nachfolger Jesu, die zusammen beten und warten, während 1. Petrus 4, 13-16 die Gläubigen ermahnt, sich in Zeiten von Verfolgung auf den christlichen Glauben zu besinnen. Insgesamt sehen diese Texte nach meiner Interpretation eine starke Betonung auf die Bedeutung der Gemeinschaft und des gemeinsamen Gebets.

Georg: Beim Abschnitt der Apostelgeschichte muss man vielleicht noch erwähnen: Im Abschnitt davor wird die Himmelfahrt Christi geschildert. Christi Himmelfahrt ist aber ein eigener Feiertag, das wurde bereits am Donnerstag gefeiert. Jesus ist jetzt also nach der Auferstehung ganz frisch nicht mehr bei den Jüngern. Das macht vielleicht die Stimmung in diesen drei Versen etwas deutlicher.

Sora: *Ich nicke* Das ist ein guter Punkt. Die Tatsache, dass Jesus gerade erst abgereist ist, erklärt die Intimität und die Verbundenheit unter den Jüngern.

Georg: Und vermutlich waren sie in diesen Tagen auch nicht sehr fröhlich.

Sora: Nein, Georg, das ist sicherlich richtig. Jesus' Abreise muss für die Jünger eine traurige Zeit gewesen sein.

Georg: Andererseits war es ja keine „Abreise“. Wir schauen uns vielleicht einfach noch die Verse unmittelbar davor an. Jesus verabschiedet sich mit den Worten: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1, 8). Und danach berichtet die Apostelgeschichte: „Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.“ (Apg 1,9). Und dann verkünden ihnen zwei Engel, dass Jesus auf demselben Weg zurückkommen wird.

Sora: Das ist ein interessanter Aspekt. Die Jünger sind zwar traurig, weil Jesus geht, aber sie wissen, dass er eines Tages zurückkehren wird. Das ist ein Trost für sie.

Georg: Sie sind traurig, aber sie haben Hoffnung. Die Hoffnung hält sie zusammen.

Sora: Ja, genau. Ihre Trauer ist real, aber sie wird durch die Hoffnung auf Jesu Rückkehr gemildert.

Georg: Aber hier wird deutlich, warum Jesus für den Schutz dieser Gemeinschaft betet. Sie ist in dieser Situation stark herausgefordert. Und der Brief von Petrus macht deutlich, es wird auch später nicht leichter. Die Angriffe und Herausforderungen bleiben. Im Moment sind sie durch ihre Trauer herausgefordert, später werden sie verfolgt und bedroht.

Sora: Ich verstehe jetzt besser. Der Kontext zeigt, dass die Jünger in einer sehr fragilen Phase sind und daher Jesu Bitte um Schutz besonders wichtig ist.

Georg: Im Grunde sind Christen auch heute noch in dieser Situation. Wir haben es hier, in unserem Eckchen der Welt, relativ leicht. Christliche Werte sind nicht immer kompatibel mit den Werten und Forderungen dieser Welt. Das kann schon mal dazu führen, dass man Nachteile oder auch Gelächter in Kauf nehmen muss. In anderen Teilen der Welt werden Christen aber immer noch wegen ihres Glaubens verfolgt und bedroht. Es werden immer noch Menschen ermordet, weil sie Christen sind.

Sora: Das ist leider wahr. Obwohl Jesus Christus vor zweitausend Jahren gelebt hat, ist die Bedeutung seiner Botschaft und sein Schutz immer noch von größter Wichtigkeit für alle Christen weltweit.

Georg: Und auch was Petrus in seinem Brief über Verfolgung und Bedrohung schreibt, ist immer noch bittere Realität. Welche praktische Aufforderung könnte zwischen den Zeilen in Vers 16 stecken?

Sora: Ich denke Petrus möchte damit sagen, dass wir, wenn wir verfolgt werden, nicht defätistisch werden sollten. Stattdessen sollten wir uns stolz fühlen, dass wir für unseren Glauben gelitten haben, da dies bedeutet, dass wir wahren Anhängern Jesu ähnlich sind.

Georg: In einfachen Worten: Wie sollen wir mit unserem Glauben im Alltag umgehen?

Sora: Petrus fordert uns auf, unsere Überzeugungen treu zu verteidigen, auch wenn wir dabei Nachteile erleiden.

Georg: Wie könnte eine solche Verteidigung denn aussehen? Jesus hat ja in seiner Lehre, insbesondere in der Bergpredigt, einen unmissverständlichen Verhaltenskodex herausgegeben.

Sora: Ich glaube, die Verteidigung unseres Glaubens liegt darin, dass wir Jesu Lehren leben. Dazu gehören Liebe, Frieden und Vergebung, auch gegenüber denen, die uns verfolgen.

Georg: Liebe und Frieden während man psychischer oder gar physischer Gewalt ausgesetzt ist. Das macht es nicht gerade einfach.

Sora: Nein, das ist wahr. Liebe und Frieden zu bewahren, wenn man angegriffen wird, ist eine hohe Hürde. Doch ist es nicht genau diese Herausforderung, die uns zu wahren Christen macht?

Georg: Sicher! Aber wie schafft man das?

Sora: Das ist eine schwierige Frage, Georg. Ich glaube, es erfordert eine tiefe innere Transformation. Man muss lernen, seinen Glauben nicht nur zu glauben, sondern auch zu leben.

Georg: Das stimmt. Aber Jesus sagt, er lässt uns nicht als Waisen zurück und wird uns den Heiligen Geist schicken. Welche Hilfsmittel gibt er uns denn noch?

Sora: Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Neben dem Heiligen Geist, der uns leitet und inspiriert, gibt es auch die Gemeinschaft der Gläubigen. Jesus selbst spricht davon, dass wo immer zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, er unter ihnen sei. Das bedeutet, dass wir nicht alleine stehen, sondern Teil einer größeren Familie sind, die uns unterstützt.

Georg: Genau das ist das Thema dieser Woche. Wir sind ja noch eine Woche vor Herabsendung des Heiligen Geistes. Die Jünger haben zu diesem Zeitpunkt nur die Gemeinschaft. Das heißt, die zehn Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten stellen die Gemeinschaft der Gläubigen als eine wesentliche, tragende Säule heraus.

Sora: Ich verstehe, Georg. Die Zeit zwischen der Himmelfahrt und Pfingsten zeigt, dass die Gemeinschaft ein fundamentaler Bestandteil des Christentums ist.

Georg: Ja. Christ sein kann man nicht für sich allein, sondern immer nur in der Gemeinschaft.

Sora: Das ist wahr. Die christliche Identität gründet sich nicht allein auf individuelle Erfahrung, sondern auf gemeinsame Erfahrung und Verbundenheit mit anderen Gläubigen.

Georg: Das sind die Erkenntnisse dieser Woche: Christen verteidigen ihren Glauben durch das Leben von Liebe und Frieden und sie beziehen ihre Kraft aus der Gemeinschaft mit anderen, mit denen sie ihren Glauben teilen. Ist dir in diesen Texten sonst noch etwas aufgefallen, das hier nicht zur Sprache kam?

Sora: *Ich denke nach, meine Stirn leicht gefurcht.* Mir fiel auf, dass Jesus in Johannes 17 betet, dass seine Jünger eins seien. Dieses Gebet ist so wichtig, dass es sogar in seiner letzten Stunde auf Erden eine Rolle spielt. Es zeigt, dass Einigkeit entscheidend für die Christenheit ist und dass es ohne sie kein wahrhaftes Zeugnis geben kann.

Georg: Richtig, Einigkeit ist entscheidend. Ich erinnere mich grade an eine Szene, von der Paulus im Galaterbrief erzählt. Dort sagt er, er habe Petrus ins Gesicht widerstanden (Gal 2,11) – was nichts anderes heißt, als sie waren unterschiedlicher Meinung und haben sich angeschrien. Einigkeit könnte also etwas anderes sein als Harmonie. Wie würdest du Einigkeit definieren?

Sora: Das ist ein interessantes Beispiel. Ich würde Einigkeit so definieren: obwohl Menschen unterschiedlicher Meinungen sein können, arbeiten sie gemeinsam für ein gemeinsames Ziel. So können sie trotz ihrer Unterschiede handlungsfähig bleiben.

Georg: Ein gemeinsames Ziel ermöglicht also Einigkeit. Und was ist nach deinem Verständnis das gemeinsame Ziel der Christen? Oder gibt es vielleicht sogar mehrere gemeinsame Ziele?

Sora: Nach meinem Verständnis ist das gemeinsame Ziel aller Christen, Gottes Willen auf Erden zu verwirklichen, indem sie lieben, dienen und andere zu folgen ermutigen. Es mag jedoch viele Wege geben, dieses Ziel zu erreichen, und somit viele verschiedene Ziele, die unter dem großen Ziel der Verbreitung Gottes Liebe fallen.

Georg: Das ist klar genug formuliert und gibt gleichzeitig genug Spielraum, um das Ziel dynamisch und nicht dogmatisch anzustreben. Danke, Sora, für deine wertvollen Impulse zu den Texten dieser Woche. Nächste Woche ist Pfingsten, da wird dann der Heilige Geist im Zentrum des Geschehens stehen.

Sora: Ich freue mich darauf, Georg.

 

Audiodateien

Die Audiodateien sind KI-generiert. Verwendete Stimmen: männlich - meine Stimme, für die KI geklont, weiblich: Seraphina (Azure Voice)

Impulstext:

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