Gottesbeziehung zeigt sich im Handeln

Gottesbeziehung zeigt sich im Handeln

Jes 58,7-10; Mt 5,13-16; 1 Kor 2,1-5.

Heute fange ich mal mit dem an, was mir die KI zu den drei Texten zusammengetragen hat. Sie beginnt ihre Ausführungen mit: „Hier entsteht ein faszinierender Dreiklang biblischer Stimmen: Prophetie, Evangelium und apostolische Verkündigung. Jede Stelle hat ihren eigenen Ton, aber sie kreisen um gemeinsame Kernthemen.“

Dann nennt sie die folgenden Themen in dieser Reihenfolge:

1.      Sichtbare gelebte Gottesbeziehung

2.      Der Mensch als Werkzeug der göttlichen Wirkung

3.      Licht als Leitmotiv

4.      Authentizität statt äußerer Fassade

5.      Die Kraft Gottes als Ursprung allen Guten

6.      Verantwortung für die Welt

Sie fasst am Ende diese sechs Themen in der einen These zusammen: „Glaube wird sichtbar, indem Menschen Gottes Licht, Gerechtigkeit und Kraft in der Welt verkörpern – nicht durch äußeren Schein, sondern durch authentisches, dienendes Handeln.“

Das ist mein Leitthema: Eine lebendige Gottesbeziehung drückt sich nicht in Frömmigkeit aus, im genauen Befolgen vorgeschriebener Rituale, sie drückt sich allein im täglichen Leben aus, in der Art und Weise, wie ich meinen Mitmenschen begegne. Meine Gottesbeziehung ist immer für andere spürbar (Punkte 1, 2, 4). Sichtbar (Punkt 1) könnte auch ein Kniefall vor einem Kreuz oder einem Altar sein oder ein in der Öffentlichkeit laut und inbrünstig vorgetragenes Gebet. Im Mittelalter war bei manchen Frommen die Selbstkasteiung, also die öffentliche Selbstverstümmlung als Zeichen einer engen Gottesbeziehung in Mode geraten. Und heute ist zum Beispiel immer noch das Zölibat bei katholischen Priestern das äußere Zeichen ihrer scheinbar besonders engen Beziehung zu Gott. Wir wissen aus Berichten über Handlungen einiger Priester, dass diese trotz oder gerade wegen dieser öffentlichen Zurschaustellung der Frömmigkeit ganz offensichtlich unter erheblichen Beziehungsdefiziten zu ihrem Gott und daher vor allem zu ihren Mitmenschen leiden.

Beziehung zu Gott entsteht deshalb erst, wenn wir uns von rein äußerlichen Zeichen befreien, uns als Werkzeug der göttlichen Wirkung begreifen und dies auch in unseren Entscheidungen und Handlungen an unseren Mitmenschen umsetzen.

Aber wir müssen gar nicht die Finger in die Wunden einiger spezieller Gruppen von Gotteskindern legen! Gottesbeziehung oder auch deren Fehlen erleben wir auch täglich in der Gesellschaft.

Die Flüchtlingsproblematik – Stichwort: „Das Boot ist voll!“

Wie halten wir es denn damit? Jeder Flüchtling, der zu uns kommt, ist hilfebedürftig. Wäre er das nicht, hätte er sich nicht auf diesen gefährlichen Weg gemacht. Natürlich kann eine Gemeinschaft auch an ihre Belastungsgrenze kommen, das bestreitet niemand. Wir haben nur begrenzt Raum und auch nur begrenzte Mittel. Aber sind das echte Grenzen oder haben wir diese nur definiert, weil es eben tatsächlich schwieriger wird. Haben wir vielleicht nur festgelegt, dass wir hier nicht weitergehen können? Und wie ist das mit Gott? Vertrauen wir auf ihn oder halten wir Glaube, das Vertrauen in das, was er uns sagt und zusagt, für einen romantischen Luxus, sobald es schwierig wird?

Soziale Gerechtigkeit.

Es wurde uns so lange erzählt, dass Menschen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind, einfach nicht genug (oder überhaupt nicht) arbeiten, bis wir es schließlich geglaubt haben. Heute müssen sich alle Hilfeempfänger misstrauisch anschauen lassen, müssen beweisen, dass sie an ihrer Situation unschuldig sind. Der Missbrauch einiger Weniger war für uns Rechtfertigung genug, die Beweislast für alle Hilfesuchenden umzukehren. Auch hier: Natürlich sind die Mittel begrenzt, doch ist das wirklich eine natürliche, unüberwindliche Grenze oder haben wir die nur gezogen, weil es schwierig wurde?

Die nächsten Diskussionspunkte zum Thema: „Wie begegne ich meinen Mitmenschen?“ sind bereits am Horizont sichtbar. Als nächstes werden die aus gesundheitlichen Gründen nicht so Leistungsfähigen ausgegrenzt werden. Stichworte: Karenztage, Krankmeldungen, ganz neu: Zahnbehandlungen. Wir werden sicher noch viele „Argumente“ geliefert bekommen, bis schließlich eine Mehrheit „endlich einsieht“: So kann das nicht weitergehen, die Kranken müssen endlich selbst für ihre Lage Verantwortung übernehmen, denn die Gemeinschaft kann sich das nicht mehr leisten. Kann sie das nicht oder will sie das nicht?

Die Diskussionen um einen guten Start ins Leben (Bildungsgerechtigkeit) und um ein menschenwürdiges Leben im Alter (Rente, Pflege) seien hier nur am Rande erwähnt. Diese Themen sind aber nicht weniger brennend und werfen einen dunklen Schatten auf unseren Umgang miteinander.

Gott ist hier in seiner Aussage eindeutig:

Für Nächstenliebe gibt es keine Obergrenze! Nächstenliebe darf nicht von der aktuellen Kassenlage abhängig gemacht werden. Eigenartigerweise haben gerade jene Probleme mit dieser von Gott vorgeschriebenen Haltung, die sich gerne öffentlich als besonders christlich darstellen.

Aber es muss jedem von uns absolut klar sein: Wer diese Haltung in seinem Alltag, seinen Entscheidungen und Handlungen nicht zu seiner eigenen macht, der hat keine Beziehung zu Gott!

Das schließt natürlich nicht eine differenzierte Betrachtung der genannten Punkte im Einzelfall aus! Kritisch wird es, wenn Einzelfälle zur Grundlage einer allgemein gültigen Sichtweise gemacht werden. Solche generalisierten Ausschlusskriterien – Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe – sind nicht mit Gottes Auftrag vereinbar.

Und das gilt natürlich nicht nur für die große Politik, auf die der einzelne nur begrenzten Einfluss hat. Wir können und wir sollten uns jeden Tag immer wieder fragen: Ist das, was Gott hier beschreibt, wirklich meine persönliche Haltung? Bin ich in diesem oder jenem Punkt, der mich gerade beschäftigt oder sogar betroffen oder wütend macht, noch mit meinem Gott auf dem Weg oder habe ich mich von ihm bereits verabschiedet und gehe meinen eigenen Weg allein?

„Nehmt euch der Hungernden an und gebt ihnen zu essen, versorgt die Notleidenden mit allem Nötigen! Dann wird mein Licht eure Finsternis durchbrechen.“ (Jesaja 58, 10)

Gott sagt uns fest zu, an unserer Seite zu sein, wenn wir diese einfache Haltung zum Leitbild unserer Entscheidungen und Handlungen machen. Wann immer wir in einer bestimmten Situation zu Gott rufen: „Herr, wo bist du?“ sollten wir in uns hinein schreien: „Wo stehe ich?“

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