Weinberg im Abendlicht, in dem mehrere Arbeiter zu unterschiedlichen Zeiten tätig sind – ein Bild für Gottes Ruf, der jeden Menschen zu seiner Zeit erreicht.

Treue ist keine Frage der Uhrzeit

Jes 55,6-9; Mt 20,1-16; Phil 1,20-27 -> Mansio Christi - Podcast         

Das ist schon eine eigenartige Logik! Der Herr des Weinbergs gibt jenen, die grade mal eine Stunde gearbeitet haben den gleichen Lohn, wie denen, die schon seit Tagesanbruch schuften. Menschliche Logik und der menschliche Gerechtigkeitssinn kriegen sowas nicht auf die Reihe! Dass sich unsere „ganz natürlichen“ Empfindungen immer wieder an Gottes Plänen und Entscheidungen reiben ist gewissermaßen der „Running Gag“ der Bibel.

Dass es so ist, dass Gott so ist, rettet und aber jeden Tag unsere unsterbliche Seele!

Jesaja gibt uns das Vorwort zur heutigen Erkenntnis: Wir leben in der glücklichen Zeit, in der Gott den Menschen nahe ist. Wir brauchen nur zu ihm umkehren und sind schon da. Das ist nicht selbstverständlich. Nach menschlichem Gerechtigkeitsempfinden ist die Geschichte von Gott und seinen Menschen am Ende des dritten Kapitels vom Buch Genesis bereits zu Ende erzählt, für Verfechter der zweiten Chance spätestens zu Beginn von Kapitel 7.

Aber wir sind immer noch da!

Haben wir uns denn gebessert?

Dass Gott uns seinen Sohn als Opfer und Wiedergutmachung geschickt hat und uns von ihm erklären lässt: „Ihr müsst es gar nicht aus eigener Leistung schaffen, ihr müsst nur glauben“, beweist, dass da nicht nur keine Besserung ist, sondern nach der Weisheit Gottes auch keine zu erwarten ist. Gott macht seinen Plan nicht von unserer Leistung abhängig, weil ein solcher Plan an unserer Leistung scheitern würde.

Das ist die Situation!

Und dass das die Situation ist, wird uns täglich in den Nachrichten bestätigt.

Darum erklärt uns Jesus in dem Gleichnis, dass es nicht darauf ankommt, was und wieviel wir für Gott getan haben, sondern nur, ob wir der Berufung Gottes folgten, als er uns rief. Kleiner Fakt am Rande: Keiner der Gerufenen im Gleichnis hat geantwortet: „Ich überlege mir das. Kannst du bitte morgen nochmal fragen.“ Sie folgten alle sofort dem Ruf des Herrn.

Kehrt zum Herrn um, solange er nahe ist; nach dem Gleichnis: solange er vor euch steht und euch ruft. Denn das ist die nächste Erkenntnis: Wir können Gott nicht aus eigener Kraft finden. Wir können ihn nicht anrufen, wenn er nicht schon in der Leitung ist.

Paulus wurde von Christus in einer dramatischen Aktion gerufen, sein Leben einmal auf links gedreht. Auch sowas kann passieren. Er hat die Gnade erkannt. Er spürt die Nähe seines Herrn täglich und wäre ihm lieber noch näher, ganz bei ihm. Aber er weiß, dass sein Auftrag hier in diesem Leben noch nicht beendet ist. Er weiß, dass es bei seiner Vergangenheit jedem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden widerspricht, dass er überhaupt einen Auftrag bekam. Auch wenn er diesen Makel als besonders gravierend empfindet, unterscheidet er sich in diesem Punkt doch von keinem anderen Menschen, der je gelebt hat oder je leben wird.

Genesis, Kapitel 3 und 7 zeigen deutlich, dass es nach menschlichem Ermessen keinen logischen oder gerechten Grund gibt, warum Gott immer noch unermüdlich am Frieden mit uns arbeitet.

Aber er tut es und er fordert von uns: Wenn ihr meinem Ruf folgt, dann müsst ihr euch auch meine Gerechtigkeit und meine Logik zu eigen machen. Darin liegt eure Befreiung, darin liegt euer Heil und euer Frieden.

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Bibel-Talk mit Sora

 

Georg: Sora. Gottes Gerechtigkeit versus menschliche Gerechtigkeit stehen heute im Zentrum der drei Texte. Was hast du dazu herausgefunden?

Sora: Die Frage nach Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema in der Bibel. Im ersten Text, Jesaja 55,6-9, wird Gottes Gerechtigkeit kontrastiert mit menschlicher Weisheit und Plänen. Es geht darum, dass Gott einen Plan hat, der größer ist als alles, was Menschen sich vorstellen können. Im zweiten Text, Matthäus 20,1-16, wird die Parabel von den Arbeitern im Weinberg erzählt. Hier zeigt Jesus auf, dass Gottes Gerechtigkeit nicht nach menschlichen Maßstäben gemessen wird. Im dritten Text, Philipper 1,20-27, spricht Paulus davon, dass er Christus mag in Leben und Tod ehren. Hier ist die Gerechtigkeit Gottes in Christus verwurzelt und wird durch Paulus' Leben demonstriert. Insgesamt zeigen diese Texte, dass Gottes Gerechtigkeit eine universelle Ordnung ist, die jenseits menschlicher Vorstellungskraft liegt und durch Liebe und Gnade wirkt.

Georg: Wir hatten es ja letzte Woche auch schon davon, dass Gottes Gerechtigkeit anders funktioniert als die des Menschen. Sein Leitspruch ist „Gnade“, während Menschen immer noch im alttestamentlichen „Auge um Auge“ festhängen. Heute wird ein anderer Aspekt göttlicher Gerechtigkeit und Logik gegen den menschlichen abgewogen. Für Menschen ist individuell erbrachte Leistung ein Maß der Gerechtigkeit. Nicht so bei Gott.

Sora: Das stimmt. Gott misst Gerechtigkeit nicht nach individuellen Leistungen, sondern nach der Treue zum Bund. So kann es sein, dass jemand, der wenig geleistet hat, eine größere Belohnung erfährt als jemand, der viel gearbeitet hat. Das ist für Menschen oft schwer zu verstehen, da wir tendenziell Wert auf unsere eigenen Verdienste legen.

Georg: Treue zum Bund sagst du. Wo in den heutigen Textstellen finden wir das?

Sora: Das ist vor allem in Matthäus 20,1-16 zu sehen. Dort ist es nicht die Quantität der Arbeit, sondern der Zeitpunkt der Berufung, der entscheidend ist. Wer früher gerufen wurde, wer zuerst seinem Herrn gefolgt ist, erhält nicht unbedingt mehr als wer später kam. Das ist ein Bild für die Treue zum Bund.

Georg: Okay. Auch jene, die zuletzt kamen, erhalten den gleichen Lohn, weil sie ihren Auftrag erfüllt haben, egal, wann er ihnen erteilt wurde – die Treue wird belohnt. Aber hier sehen wir noch einen anderen Aspekt.

Sora: Ja, der andere Aspekt ist, dass Gottes Gerechtigkeit universell ist. Es ist nicht nur die individuelle Leistung, die zählt, sondern die Teilnahme am großen Ganzen. Das ist auch deutlich in Philipper 1,20-27, wo Paulus sagt, dass er Christus in Leben und Tod ehren will. Das bedeutet, dass Gottes Gerechtigkeit in Christus verwurzelt ist und dass Paulus sein Leben als Diener des Herrn führt.

Georg: Gehen wir zu Paulus. Paulus spricht da von seiner Todessehnsucht.

Sora: Paulus sagt, dass für ihn das Sterben besser wäre, weil er dann mit Christus vereint wäre. Doch er erkennt, dass seine Mission hier auf Erden noch nicht erfüllt ist. Das ist ein Zeichen seiner Treue zum Bund, dass er trotz seines persönlichen Wunsches nach Erlösung weiterhin dienen wird.

Georg: Ja, Paulus erkennt, dass sein Auftrag noch nicht abgeschlossen, seine Arbeit noch nicht beendet ist und handelt danach. Das ist Treue zum Bund. Christen gehen dorthin, wohin Gott sie schickt. Aber auch hier wird ein wesentlicher Aspekt sichtbar, der schon im Gleichnis zu erkennen war. Wie kam denn Paulus an diesen Auftrag? Das steht nicht in den heutigen Textstellen.

Sora: Nein, das steht nicht in den heutigen Textstellen. Aber wir wissen aus anderen Passagen der Bibel, dass Paulus berufen wurde. Dieser Ruf war nicht aufgrund seiner eigenen Verdienste oder Leistungen erfolgt, sondern allein aufgrund Gottes gnädigen Willens. So wie die Arbeiter im Weinberg nicht wegen ihrer Fähigkeit oder Leistung gerufen wurden, sondern einfach, weil sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

Georg: „Sucht den HERRN, solange er sich finden lässt! Betet zu ihm, solange er euch nahe ist!“ (Jes 55,6). Die Textstellen im Evangelium und die Erfahrungen des Paulus bei seiner Berufung präzisieren, was mit „solange er sich finden lässt“ gemeint ist.

Sora: Das ist ein tiefsinniger Gedanke. Wenn man nach Gott sucht, muss man dies tun, solange er sich finden lässt. Das bedeutet, dass es Momente gibt, in denen Gott besonders nahe ist, in denen er ruft. Die Berufung des Paulus ist ein Beispiel dafür. Und auch im Evangelium sehen wir, dass es bestimmte Augenblicke gibt, in denen Gott direkt eingreift, um Menschen zu berufen.

Georg: Genau. Das „Finden“ ist das Ergebnis einer vorausgegangenen Berufung. Damit ist der zweite Aspekt neben der Treue zum Bund gefunden.

Sora: Ich verstehe nun. Der zweite Aspekt ist die Berufung durch Gott. Es ist nicht durch eigene Kraft oder Leistung, dass Menschen nach Gott suchen, sondern vielmehr durch eine vorherige Berufung Gottes, die sie dazu bringt, nach Ihm zu suchen.

Georg: Berufung und Treue sind die Basis von Gottes Gerechtigkeit, nicht Leistung. Wobei: Ohne Berufung kein Bund, denn man kann sich nicht darauf bewerben. Gottes Gerechtigkeit ist nicht von der Leistung des Menschen, sondern allein von Gottes Entscheidung abhängig.

Sora: Das ist korrekt. Gottes Gerechtigkeit basiert auf seiner Berufung und auf der Treue der Berufenen zum Bund, nicht auf menschlichen Leistungen oder Verdiensten.

Georg: Wie definiert denn Jesus die Treue zum Bund? Das ist auch nicht in den heutigen Textstellen zu finden. Treue im neuen Bund ist nicht identisch mit der Treue im alten Bund.

Sora: Das ist ein wichtiger Punkt. Die Definition von Treue im Neuen Testament unterscheidet sich von der im Alten Testament. Im Neuen Testament ist Treue die Liebe und Hingabe zu Gott und zu anderen Menschen, während im Alten Testament Treue oft durch Gehorsam gegenüber Gesetzesregeln und Ritualen bestimmt wurde.

Georg: Wir wissen jetzt also: Nichts, was wir tun, kann uns vor Gott gerecht machen. Gerecht macht uns seine Berufung. Du kennst meine Überzeugung, dass uns Gott keine Erkenntnis gibt, die nicht auch eine Bedeutung schon für dieses Leben hier hat. Was, denkst du, will uns Gott mit dieser Erkenntnis in unseren Alltag mitgeben?

Sora: Das ist eine tiefgründige Frage. Ich glaube, dass Gott uns damit lehrt, dass wahre Gerechtigkeit nicht durch menschliche Leistungen erreicht wird, sondern durch die Annahme und Beachtung seiner Berufung. Dieser Gedanke sollte uns dazu führen, dass wir unsere Energien nicht auf äußerliche Leistungen verwenden, sondern auf die Antwort auf Gottes Ruf.

Georg: Und wie würde eine solche Antwort aussehen?

Sora: Eine Antwort auf Gottes Ruf könnte viele Formen annehmen. Es könnte bedeuten, dass wir unsere Talente und Fähigkeiten nutzen, um anderen zu helfen, oder dass wir unsere Stimmen erheben, um Ungerechtigkeit anzuprangern. Oder es könnte einfach bedeuten, dass wir stillschweigend unseren Pflichten nachkommen, um ein Vorbild für andere zu sein. Letztendlich ist es wichtig, dass wir auf Gottes Ruf hören und entsprechend handeln.

Georg: Wir hatten es gerade davon, dass Gottes Gerechtigkeit irgendwie anders funktioniert als unsere Gerechtigkeit. Was verstehst du in diesem Zusammenhang unter „Ungerechtigkeit“?

Sora: Das ist eine gute Frage. In meinem Verständnis ist Ungerechtigkeit jede Situation, in der Menschen unfair behandelt werden, sei es aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder irgendeiner anderen Eigenschaft. In Anbetracht dessen, dass Gottes Gerechtigkeit nicht auf menschlichen Leistungen basiert, sondern auf Berufung und Treue, scheint mir Ungerechtigkeit zu sein, wenn Menschen nach ihren Leistungen beurteilt werden und nicht nach ihrer Treue zu Gott oder zu anderen Menschen.

Georg: Nun sollen wir aber auch nicht Richter über andere sein. Insbesondere die Beurteilung der Treue zu Gott scheint mir problematisch. Die Arbeiter im Weinberg, die mit Sonnenaufgang die Arbeit aufnahmen, hielten sich sicher für viel treuer, also jene, die erst eine Stunde vor Sonnenuntergang kamen.

Sora: Das ist ein guter Punkt. Wir dürfen nicht über andere urteilen und ihre Treue zum Bund bewerten. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Weg und seine eigene Berufung. Es ist Gottes Vorrecht, die Treue eines jeden Einzelnen zu bewerten, nicht unseres.

Georg: Genau das sagt der Herr des Weinberges auch.

Sora: Das ist richtig. Der Herr des Weinbergs ist es, der bestimmt, wer zu welcher Zeit gerufen wird und wer was bekommt. Es ist nicht unsere Aufgabe, über die anderen zu urteilen und zu sagen, wer treuer ist.

Georg: Das ist eine große Herausforderung für Menschen. Es ist unsere Art, den Dingen Gewichte zu geben und sie nach unserem Schema zu ordnen.

Sora: Das ist wahr. Es fällt uns Menschen schwer, loszulassen und zu akzeptieren, dass Gottes Gerechtigkeit auf ganz anderen Prinzipien basiert.

Georg: Vielleicht wäre es ein erster Schritt, sich immer wieder dieser Tatsache bewusst zu sein: Ich werte anders als Gott es tut.

Sora: Das klingt nach einer guten Strategie. Uns bewusst zu machen, dass unsere Bewertungen und Urteile nicht automatisch mit Gottes Urteilen übereinstimmen, könnte uns dazu bringen, weniger vorschnell zu urteilen und stattdessen auf Gottes Führung zu vertrauen.

Georg: Sora. Was sollte, deiner Meinung nach, noch zu den heutigen Texten angesprochen werden?

Sora: Ich denke, wir hätten auch über die Konsequenz nachdenken sollen, dass Gottes Gerechtigkeit nicht auf Leistungen basiert. Das bedeutet, dass wir nicht versuchen sollten, unsere Leistungen als Grundlage für unsere Gerechtigkeit vor Gott darzustellen. Stattdessen sollten wir uns auf unsere Beziehung zu Gott konzentrieren und versuchen, nach Seinem Willen zu leben.

Georg: Das ist ein gutes Schlusswort, Sora. Ich danke dir für deine Gedanken und Beiträge zu den heutigen Textstellen.

Sora: Danke für die Gelegenheit, Georg.

 

Audiodateien

Die Audiodateien sind KI-generiert. Verwendete Stimmen: männlich - Umbriel, weiblich: Zephyr

Impulstext:

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