Gen 2,7-9; 3,1-7; Mt 4,1-11; Röm 5,12-19.
In den Texten dieser Woche entsteht ein in sich stimmiges Bild über Schöpfung, Versuchung, Freiheit, Fall und Heil.
Gott erschafft den Menschen, schenkt ihm Leben und setzt ihn in eine geordnete Welt. Der Teufel versteht es, das Wort Gottes, das dieser an den Menschen gerichtet hat, zu verdrehen, so dass der Mensch durch Ungehorsam zu Fall kommt. Paulus fasst den Vorgang so zusammen: Durch die Sünde eines Menschen herrscht nun der Tod über die gesamte Menschheit.
Auch Jesus wird vom Teufel mit demselben Trick versucht. Er verdreht den Sinn des Wortes Gottes, doch Jesus fällt nicht darauf herein. Er entgegnet der Täuschung mit einer Richtigstellung, indem er das vom Teufel verdrehte Wort durch ein anderes Zitat aus der Bibel richtig interpretiert. Dass er die Prüfung mit Bravour bestanden hat, beweisen die Engel, die ihm danach dienen. Paulus interpretiert diese bestandene Prüfung mit: Durch den Gehorsam eines Menschen, Christus, wurde die gesamte Menschheit mit Gott versöhnt.
Wir tun uns heute oft schwer mit diesen frommen Geschichten aus dem ersten Buch der Bibel. Gerade die Erschaffung der Welt widerspricht jedem naturwissenschaftlichen Ansatz. Also alles nur Unfug?
Es zeigt sich gerade in dieser Woche: Die Bibel muss als Ganzes gesehen und verstanden werden. Sie stellt für uns komplexe Zusammenhänge in einfachen Bildern her. Es sind eben nicht die Worte oder Wörter Gottes; es ist das Wort Gottes. Die Bibel ist eine Einheit, nur in der Gesamtheit erschließt sich uns der Sinn.
Was passiert, wenn man die Bibel in einzelne, vielleicht sogar völlig voneinander unabhängige Aussagen aufbricht, das demonstriert in allen heute gelieferten Bildern der Teufel. Er tut genau dies! Er greift sich einen einzelnen Satz und dreht ihn in sein Gegenteil. Er muss ihn dafür nicht einmal verändern. Es genügt völlig, ihn aus dem Zusammenhang zu reißen und mit einer entsprechend suggestiven Frage zu kombinieren.
Auf diese Weise lässt sich mit dem Wort Gottes praktisch alles rechtfertigen, was auf dieser Welt geschieht. Und auf diese Weise wird auch der Ursprung dessen sichtbar, was wir als Sünde oder Sündenfall bezeichnen. Paulus meint zwar, ohne das Gesetz, das Gott den Menschen durch Mose gab, hätte es keine Schuld gegeben, doch das ist so zu eng gefasst.
Sünde oder Schuld entsteht, wenn der Mensch sein egoistisches Handeln mithilfe externer Regeln, die er nicht zu verantworten habe, rechtfertigt. Das ist die falsche Herangehensweise an Entscheidungen!
Ich habe die Freiheit, mich für oder gegen eine bestimmte Handlung zu entscheiden. Aber nach meiner Entscheidung trage ich die Verantwortung für das, was auf meine Entscheidung folgt. Das Wort Gottes zwingt mich nicht zu einer bestimmten Entscheidung oder Handlung. Kein Gesetz der Welt zwingt mich zu einer bestimmten Entscheidung oder Handlung. Es sind alles Richtlinien. Der erste Schritt ist immer, ihren Sinn, ihr Ziel zu verstehen – ohne Verständnis bringt mir das Gesetz nichts, bringt mir auch das Wort Gottes nichts.
Erst wenn ich verstanden habe, bin ich in der Lage, verantwortlich gemäß der Regeln zu entscheiden. Davor entscheide ich egoistisch, aus der Laune des Augenblicks heraus. Erst wenn die Regel in mir lebt, lebe ich in ihr.
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15,5)
Und hierin liegt das Problem, das nur durch Jesus gelöst werden konnte!
Das Bild in der Genesis beschreibt das Wesen des Menschen. Wir legen uns Regeln zurecht und schieben dann der „untauglichen Regel“ die Verantwortung für die Konsequenzen zu. Wir brauchen den Rebstock, der in Gott wurzelt und uns so mit Gott verbindet. Getrennt vom Rebstock sind wir verloren.
Als Menschen werden wir uns ein ums andere Mal für den egoistischen Weg entscheiden, der uns von Gott wegführt, genauso, wie die Reben vom Weinstock weg wachsen, nicht zu ihm hin. Es ist allein Christus, der für uns die Verbindung zu Gott hält.
