Der Herr ist mein Gott - 1. Könige 17 - 18 (2. - 6. September)

Wir gehen in der Zeit ein kleines Bisschen zurück und befinden uns wieder in der Amtszeit König Ahabs. Isebel, die Frau Ahabs, ist eine glühende, eifernde Anhängerin ihres Gottes Baal. Sie hat den Baal-Kult im Nordreich etabliert und gefördert und verfolgt die Propheten der jüdischen Konkurrenz. Obadja, der Hofmeister Ahabs hatte 100 der vom Baal-Kult und Isebel bedrohten Propheten versteckt und so vor dem sicheren Tod gerettet. Doch das Land selbst folgt Isebel und ihrem Gott. Der Baal-Kult betet unter anderem Blitze und den Regen als die sichtbaren Insignien dieses Gottes an.

In diese Situation schickt der Gott Abrahams Elia zum König des Nordreichs und lässt ihm durch ihn ausrichten, dass er nun den Regen abstellen wird. Es soll nur noch auf seinen ausdrücklichen Befehl hin regnen. Baals Propheten und Priester dürften daraufhin Tag und Nacht zu ihrem Gott gebetet und ihm geopfert haben, doch völlig zwecklos; die Dürre blieb im Land.

Um seinen Propheten Elia zu schützen (Menschen begnügen sich bei der Suche nach der Ursache einer Katastrophe immer mit dem Bestimmen eines Schuldigen), schickt Gott diesen erst in die Pampa an den Bach Krit und dann zu einer bettelarmen Witwe und deren Sohn nach Zarpat; beide können sich kaum selbst ernähren. Elia gehorcht beide Male und auch die Witwe gehorcht, macht aber auf ihre aktuelle Situation aufmerksam. Doch (wie) durch ein Wunder reichen die Vorräte für alle drei immer gerade so hin solange Elia bei den beiden wohnt. Das wissen wir schon aus den 40 Jahren Wüste: Gott gibt immer gerade genug, dass es für die nächste Etappe reicht. Mehr ließe uns zwar ruhiger schlafen, würde uns aber auch träger machen, was den von ihm vorbestimmten Weg angeht. Nach einiger Zeit wird der Sohn der Witwe – in jener Zeit der einzige Ernährer der Frau, denn Rente und Sozialhilfe waren noch nicht erfunden – krank und stirbt.

Mit einem erbärmlich kurzen Gebet bittet Elia seinen Gott, dem Kind wieder das Leben zurückzugeben und Gott tut es. Mit dem Bitten hält es Gott also offensichtlich wie mit dem Geben. Er will keine große Show, es genügt ihm völlig, wenn wir uns darüber im Klaren sind, was wir in dieser Situation von ihm brauchen. Das Benötigte auszusprechen, also zu beten, hilft uns bei diesem Prozess.

Gegen Ende des dritten Jahres Dürre sendet Gott Elia zurück in die Öffentlichkeit. Jetzt – nachdem wohl der letzte im Nordreich kapiert hat, dass man mit Baal in Sachen bestellten Regen nicht rechnen kann - wird ER, der einzige Gott und Schöpfer, es wieder regnen lassen. Auf seinem Weg zurück nach Samaria begegnet der Prophet Obadja; der kommt ihm gerade recht. Er soll vorausgehen und dem König das Kommen des Propheten ankündigen.

Doch Obadja will nicht. Er hat aufgrund der Situation und seiner Vorgeschichte Angst, dass er das Überbringen dieser Botschaft mit dem eigenen Leben bezahlen würde, denn Elias erneutes Auftreten zeigt, dass er in dieser Angelegenheit wieder einmal unzuverlässig gearbeitet hat. Diese Erkenntnis motiviert den Propheten, noch am selben Tag vor den König zu treten.

Tatsächlich sieht Ahab in Elia den Schuldigen an der Dürre, der Prophet muss ihn also zuerst über Ursache (Abkehr von Gott und Hinwendung zu falschen Göttern) und Wirkung (der wahre Gott demonstriert die Machtlosigkeit der falschen Götter) aufklären und durch ein sichtbares Zeichen bestätigen, dass er den Durchblick und die besseren Kontakte nach oben hat. In einem Opfer-Wettbewerb will er gegen 450 Baal-Propheten antreten. Zuerst sollen diese ihren Baal auffordern, das Opfer selbst vom Altar abzuholen, d.h., sie dürfen es nicht anzünden; das soll Baal erledigen. Danach will er es bei seinem Gott probieren.

Man stelle sich vor: 450 festlich kostümierte Männer tanzen, hüpfen und singen stundenlang um einen eben geschlachteten Stier herum, werden dabei immer inbrünstiger und verzweifelter – und nichts passiert (außer, dass das Tier vielleicht langsam in der Sonne anfängt zu stinken). Sogar Elia muss lachen.

Dann baut Elia aus zwölf Steinen – sie stehen für die zwölf Stämme Israels, auch wenn dem Nordreich nur zehn Stämme angehören – einen Altar, legt seinen geschlachteten Stier drauf und lässt Opferstätte und Tier noch zusätzlich reichlich in Wasser tränken um versehentlicher Selbstentzündung auszuschließen. Dann bittet er seinen Gott, durch Annahme des Opfers erstens zu bestätigen dass dieser der eine, wahre Gott sei und zweites er tatsächlich der von ihm offiziell autorisierte Prophet.

Ein Blitz aus heiterem Himmel verzehrt Holz und Opfertier und trocknet bei der Gelegenheit auch gleich die angerichtete Pfütze aus. Augenblicklich kehrt das Publikum zur Anbetung des wahren Gottes zurück. Sie rufen dabei den Namen des Propheten, denn Elia bedeutet „Der Herr ist (mein) Gott”.

Elia selbst zeigt nun das schreckliche Gesicht Gottes, das des Richters. Er bringt alle 450 falschen Propheten um.

 

Also doch ein Gott des Blutes?

 

Gott kann nach menschlichem Ermessen und Verständnis grausam sein, das steht außer Frage, doch auch dieses Gericht hat eine Vorgeschichte und wir müssen uns bei allem bewusst sein, dass wir beim Betrachten einer Situation zumeist die Ursache, die dorthin geführt hat ebenso außer Acht lassen wie das Ziel, das es für uns nach Gottes Plan zu erreichen gilt und das sich seit Abraham (eigentlich seit Anbeginn der Zeit) nicht geändert hat.

Wir sehen in diesem Bild, dass Gott bei diesem Plan keine Kompromisse eingeht, denn jeder Kompromiss würde für uns bedeuten: „Ziel verfehlt!” (Im Zeugnis, das uns Gott einmal ausstellt, gibt es keine Note 2)

In der Wegbeschreibung zu diesem Ziel steht gleich als erstes: „Keine anderen Götter!”

Wir müssen uns frei machen, von allem, was uns außer Gott noch Gott sein kann. Wenn wir an diesem Punkt versagen, verfehlen wir den Weg, egal, wie sehr wir uns in den anderen Punkten bemühen.

Wenn wir also einen anderen Gott in unserem Leben erkennen, so müssen wir diesen mit allen Mitteln aus unserem Leben herausreißen. Das wird dann nicht so eine blutige Angelegenheit wie in dieser Geschichte, aber – wenn ein Objekt tatsächlich Gott-Status erreicht hat – genauso schmerzhaft und drastisch wie hier beschrieben.

Das Nordreich ist hier nicht Bild für eine gefallene Welt, die es mit Gewalt für Gott zurückzuerobern gilt, das Nordreich steht für jeden von uns. 450 falsche Propheten – 450 Orte falscher Anbetung – 450 Möglichkeiten, den Weg zu verfehlen … für jeden einzelnen von uns! Das ist die Ursache des Problems; die Ursache (immer wieder) restlos zu beseitigen ist die Lösung.

Ahab und Isebel hatten sich damit begnügt, einen Schuldigen herauszudeuten, doch es war nur der Bote. Den Boten zu köpfen hat eine Situation noch nie geändert, nur die Abkehr vom Falschen vermag dies zu leisten.

Wenn der Mensch nicht dazu bereit ist, verfällt er dem Gericht Gottes. Wenn wir diese beiden Kapitel unter diesem Blickwinkel betrachten, hätte Gott sein Volk verdammen und richten müssen; er hat ihnen aber nur in einer drastischen Aktion ihre Götzen weggenommen. Hinter all dem Blut, das freilich erschaudern lässt, steht die Botschaft, dass Gott sein Volk ein weiteres Mal befreit hat.

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