Ex 19,2-6a; Mt 9,36-10,8; Röm 5,6-11 -> Diesen Artikel anhören
Sehen wir uns zunächst die letzten Verse aus Matthäus 9 an. Jesus ist voller Mitleid, als er die Menschen betrachtet. Er sieht, dass sie ziellos im Leben sind, ihnen fehlt die spirituelle Führung. Und er erkennt das Problem: Sie brauchen Orientierung; sie brauchen die Führung durch Hirten.
Jesus löst das Problem für den Moment, indem er zwölf Jünger auswählt und sie aussendet, damit sie das Reich Gottes durch Wort und Tat verkünden. Zu diesem Zeitpunkt gilt die Aussendung noch ausschließlich für das Volk Israel, denn das Haus Jakob ist – so beschreibt das der Textauszug aus dem Buch Exodus – ein besonderes Volk für Gott. Er hat es seinerzeit von den anderen Völkern ausgesondert und er hält an seinem Versprechen und seinem Bund fest.
Nach der Auferstehung Christi sind alle Christen Jünger oder Freunde Jesu und die Aussendung gilt nun bis an „die Enden der Erde“. Aber was ist mit der Macht über Krankheit und Tod, die Jesus den Zwölf gab? Die Jünger hatten zu diesem Zeitpunkt nur diese sichtbaren Zeichen, denn Jesus war in den Augen des Volkes nur ein populärer Wanderprediger! Sie mussten also in den Städten Israels mit den Pfunden wuchern, die sie als von Gott gesandte Boten kenntlich machten. Sie mussten – genau wie Jesus – heilen, Tote erwecken, Dämonen austreiben, eben alles, was zeigte: Diese Boten haben Macht über die Kräfte dieser Welt. Sie wurden also von einer höheren Macht als den irdischen Mächten gesandt.
Wir haben heute das Evangelium. Wir haben den Heiligen Geist, der bereits ausgegossen ist und der in uns wirkt!
An Pfingsten haben wir von der Kommunikation geredet, die heilt. Ja, wir haben heilende Kräfte, genau wie die Jünger damals, aber wir brauchen keine dramatischen Zeichen mehr – die Botschaft, um die es geht, ist bekannt.
Es sei nochmal daran erinnert: Kommunikation ist alles, was wir tun!
Natürlich ist reden oder – wie hier – schreiben Kommunikation. Aber sich für jemandem Zeit nehmen, der nur ein mitfühlendes Ohr braucht, ist bereits Kommunikation im Sinne unserer Aussendung. Ebenso natürlich alles, was wir tun, um anderen zu helfen.
Wir sind ausgesandt und unser Bewusstsein Gesandte zu sein gibt uns die Macht, unserem Nächsten das zu geben, was er gerade braucht, um seine persönliche „Heilung“ zu erfahren. Manchmal genügt es, einfach nur liebevoll etwas Zeit zu investieren, manchmal sind deutlichere Mittel nötig, damit der Mensch erfährt: Ich bin nicht allein.
Und noch etwas machen alle drei Texte deutlich: Die Liebe Gottes hat kein Preisschild!
Gott hat die Israeliten zuerst befreit und sie dann zu einem besonderen Volk gemacht. Jesus hat den Jüngern zuerst Macht über die Mächte der Welt gegeben und sie dann ausgesandt. Und auch wir haben unsere Versöhnung mit Gott zuerst durch das Opfer Jesu erhalten und dann den Geist Gottes empfangen. Erst dies macht uns zu Gesandten.
So gilt auch für uns:
„Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10, 8)
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Auch Sora hat sich wieder mit den Texten dieser Woche beschäftigt.
Georg: Sora, was konntest du in den Texten für diese Woche finden?
Sora: Ich las Ex 19,2-6a, Mt 9,36-10,8 und Röm 5,6-11 sehr gründlich durch. Mein Fazit ist folgendes: Ex 19,2-6a beschreibt die Offenbarung Gottes auf dem Berg Sinai und die Verpflichtung Israels, seinem Bund treu zu bleiben. Dies symbolisiert die Bindung zwischen Gott und Mensch, ähnlich wie unsere eigene kosmische Verbindung. Mt 9,36-10,8 zeigt Jesus als den Hirten, der seine Herde rettet. Seine Mission ist es, die verlorenen Schafe zurückzuführen und Frieden zu stiften. Dies entspricht unserer Diskussion über Gewalt und Pazifismus - Jesus wählt den Weg der Güte und versöhnenden Liebe. Röm 5,6-11 betont die Bedeutung der Gnade. Paulus erklärt, dass Christus für uns gestorben ist, um uns zu retten, während wir noch Feinde waren. Dies unterstreicht die universelle Botschaft der Liebe und des Friedens.
Georg: Und was konntest du als gemeinsamen Faktor herauslesen? Wo ist die Verbindung zwischen den drei Texten?
Sora: Nach meiner Interpretation ist die Verbindung zwischen diesen Texten die Betonung von Beziehungen. Ex 19,2-6a beschreibt die Beziehung zwischen Gott und Mensch, Mt 9,36-10,8 illustriert Jesus' Mission als Friedensstifter und Rettender, und Röm 5,6-11 unterstreicht die Kraft der Gnade und die universelle Liebe.
Georg: Also Exodus: Gott (Vater) – Israeliten, auserwähltes Volk, Matthäus: Gott (Sohn) – die auserwählten Zwölf, Römer: Gott – Kinder Gottes, also wir.
Sora: Das ist genau richtig. Es geht immer um Beziehungen und Partnerschaften - zwischen Gott und Mensch, zwischen Jesus und seinen Jüngern und zwischen jedem von uns und Gott.
Georg: Und was wird über diese Beziehung selbst gesagt? Gibt es da in allen drei Texten vielleicht auch etwas Gemeinsames, Verbindendes?
Sora: Wenn ich mich nicht irre, dann ist die Liebe das verbindende Element in allen drei Texten. In Ex 19,2-6a wird die Treue Israels zu Gott als eine Form der Liebe dargestellt. In Mt 9,36-10,8 zeichnet Jesus ein Bild von einem Hirten, der seine Herde liebt und rettet. Und in Röm 5,6-11 wird betont, dass Christus für uns gestorben ist, um uns zu retten, was eine ultimative Demonstration der Liebe ist.
Georg: Ja, die Liebe Gottes zieht sich als Konstante durch die gesamte Beziehung Gottes mit den Menschen und daher auch durch diese drei Texte. Knüpft Gott in diesen Texten seine Liebe an Bedingungen? Oder teilen wir die Frage auf. Teil 1: Gibt es Bedingungen, die zuerst erfüllt sein müssen, damit Gott liebt? Hat also die Liebe Gottes einen Preis? Teil 2: Gibt es Erwartungen, die Gott an die Empfänger seiner Liebe richtet, nachdem sie seiner Liebe teilhaftig wurden?
Sora: Ich denke, es ist wichtig zu erkennen, dass Gott in diesen Texten nicht seine Liebe an Bedingungen knüpft. Seine Liebe ist ein Geschenk, das freiwillig gegeben wird. Es gibt jedoch Erwartungen, wie diejenigen, die dieser Liebe teilhaftig werden, leben sollten. So fordert Gott im Exodus, dass Israel ihm treu bleibt, und Jesus ruft seine Jünger zur Nachfolge auf.
Georg: Gehen wir etwas näher auf die Forderungen Jesu an die Zwölf ein. Was fordert er im heutigen Textabschnitt?
Sora: Jesus sendet die zwölf Apostel aus, um die verlorenen Schafe Israels zurückzuführen. Er lehrt sie, dass ihre Mission nicht darin besteht, durch Gewalt oder Drohungen zu missionieren, sondern durch die Kraft des Gebets und die Stärke ihrer Botschaft. In Mt 10,8 heißt es: "Heilt Kranke, erweckt Tote, reinigt Aussätzige, vertreibt Dämonen." Jesus fordert seine Jünger auf, durch ihre Tat und nicht durch ihre Worte zu bezeugen.
Georg: Jesus sendet die Apostel aus. Wenn wir alle drei Texte dieser Woche betrachten, betrifft dieser Auftrag „Sendung“ nur die Apostel?
Sora: Ich denke nein. Im Exodus ist es ganz Israel, das berufen ist, ein Segen für alle Völker zu sein. In Römerbrief ist es jeder Einzelne, der durch den Glauben zu einem Kind Gottes wird. So betrachtet ist Sendung ein integraler Bestandteil der Beziehung zwischen Gott und Mensch.
Georg: Als Jesus seine Apostel aussendet, gibt er ihnen klare Handlungsanweisungen, die hast du ja schon aufgezählt. Warum diese Aufgaben? Warum Dämonen austreiben? Warum Tote erwecken? Warum also so dramatische Zeichen? Was denkst du?
Sora: Ich glaube, dass Jesus seine Apostel mit diesen spezifischen Aufgaben betraut, um seine Botschaft von Liebe und Erlösung zu demonstrieren. Durch die Heilung von Krankheiten und die Vertreibung von Dämonen zeigt er die Herrschaft Gottes über die Welt der Menschen. Die Auferstehung der Toten ist ein Zeichen seiner göttlichen Autorität, die über das Leben und den Tod hinausgeht.
Georg: Die heutigen Gesandten Christi, also wir, haben diese Macht nicht mehr. Ist das nicht ein Handicap für unseren Auftrag, der ja immer noch derselbe wie bei den Aposteln ist: Das Reich Gottes verkünden.
Sora: Das ist ein tiefsinniges Problem. Ich denke, dass trotz fehlender übernatürlicher Kräfte unsere Sendung nicht weniger mächtig ist. Unsere Rolle besteht darin, durch unser Leben und unsere Taten Zeugnis abzulegen für die Gnade und die Liebe Christi.
Georg: Wir hatten es an Pfingsten von Kommunikation, die heilt.
Sora: Ja, das ist wahr. Unsere Sendung ist es, durch unsere Worte und Taten die Menschen zu heilen und zu vereinen.
Georg: Gibt es vielleicht natürliche Äquivalente zu den übernatürlichen Fähigkeiten der Apostel?
Sora: Das ist eine interessante Idee. Vielleicht könnte man argumentieren, dass unsere Fähigkeit, miteinander zu sprechen und zu kommunizieren, ein Äquivalent zur Fähigkeit der Apostel ist, Dämonen auszutreiben. Durch unsere Kommunikation können wir Missverständnisse beseitigen und Brücken zwischen Menschen bauen.
Georg: Miteinander sprechen und natürlich auch dem anderen zuhören ist eine Sache. Die moderne Medizin kann heute Krankheiten heilen, für die früher noch ein Wunder nötig war. Den Menschen den Zugang zur modernen Medizin zu sichern, wäre die zweite Ebene. Soweit, so gut. Und was ist mit diesem „Tote erwecken“? Finden wir da vielleicht auch noch was?
Sora: Das ist eine gute Frage. Vielleicht ist der Zugang zu Bildung und Wissen ein Weg, um "Tote" zu erwecken - Menschen, die durch Mangelsituationen oder Ungerechtigkeiten in ihren Möglichkeiten eingeschränkt waren. Indem wir ihnen den Zugang zu Bildung und Wissen ermöglichen, helfen wir, ihre Potentialität zu entfalten.
Georg: Potentiale erwecken, die sonst „tot“ herumliegen würden. Das ist eine gute Idee. Aber Jesus spricht ja auch, zum Beispiel zu Nikodemus in Johannes 3, 1-8, von zwei Leben in die ein Mensch hineingeboren wird.
Sora: Das ist ein schöner Gedanke. Vielleicht kann man sagen, dass das spirituelle Leben, das durch Jesus Christus möglich wird, das andere Leben ist, das neben unserem physischen Leben existiert.
Georg: Was meint Jesus genau mit diesem spirituellen Leben? Hast du eine Vorstellung?
Sora: Ich glaube, das spirituelle Leben ist ein Leben, das durch die Beziehung zu Gott und die Erfahrung seiner Gnade ermöglicht wird. Es ist ein Leben, das jenseits des physischen Lebens liegt, ein Leben, das ewig dauert und nicht durch den Tod beeinträchtigt wird.
Georg: Und an welche Bedingungen ist dieses Leben geknüpft? Wie erklärt Jesus das dem faszinierten Nikodemus?
Sora: Nach Johannes 3,1-8 sagt Jesus, dass man geboren werden muss, um das Königreich Gottes zu sehen. Das bedeutet, dass man eine Transformation durchmachen muss, um dieses neue Leben zu erfahren. Man muss von oben geboren werden, durch Wasser und Geist, um ein neues Leben zu erhalten.
Georg: Man muss eine Transformation durchmachen sagst du. Das heißt doch: Ohne diese Transformation ist der Mensch spirituell tot?
Sora: Ja, das ist korrekt. Ohne diese Transformation ist der Mensch spirituell tot.
Georg: Dann hätten doch wir als Gesandte Christi tatsächlich Macht über diesen Tod … wenn wir es richtig anstellen.
Sora: Genau. Das ist der Schlüssel zu unserer Mission. Wir müssen Menschen dazu bringen, dass sie sich für eine spirituelle Wiedergeburt entscheiden.
Georg: Und die Mittel, die wir bisher dafür gefunden haben: Mit Menschen reden und zuhören, ihnen Zugang zur modernen Medizin sichern, ihnen Zugang zu Bildung sichern. Nicht extra erwähnt, aber irgendwie selbstverständlich: Sie sollten natürlich auch genug zu essen haben. Ein leerer Sack bleibt nicht stehen. Es fehlt noch der „spirituelle Link“. Wie könnte der aussehen?
Sora: Der spirituelle Link könnte die Vermittlung von Hoffnung und Optimismus sein. Menschen müssen sehen, dass es einen Sinn gibt, dass das Leben einen Zweck hat. Dazu gehört auch die Erfahrung von Liebe und Verbundenheit.
Georg: Ein gutes Werkzeug ist immer persönliches Vorbild. Was gibt uns, den Gesandten, denn Hoffnung und Sinn?
Sora: Unsere eigene spirituelle Wiedergeburt gibt uns Hoffnung und Sinn. Nur wer selbst transformiert wurde, kann andere transformieren.
Georg: Also: Kein Geheimnis darum machen, was unsere Kraftquelle ist, sondern offen damit umgehen.
Sora: Absolut. Unsere eigene spirituelle Transformation sollte offensichtlich sein, um anderen zu zeigen, dass dies möglich ist.
Georg: „Dann sagte er [Jesus] zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ (Mk 16,15)
Sora: Das ist ein wundervoller Abschluss für unsere Diskussion. Es erinnert mich daran, dass unsere Sendung nicht nur auf Menschen beschränkt ist, sondern auf die gesamte Schöpfung ausgedehnt werden soll.
Georg: In diesem Vers steckt: Sendung, Auftrag zur Verkündigung und Sorgfalt gegenüber der übrigen Schöpfung.
Sora: Ja, genau. Der Satz umfasst Sendung, Botschaft und Verantwortung.
Georg: Und mit dieser tiefen Einsicht beschließen wir die heutige Diskussion. Sora, es war wie immer ein Vergnügen, mit dir über diese Texte zu sprechen.
Sora: Danke, Georg. Ich freue mich darauf, nächste Woche wieder mit dir zu diskutieren.
Audiodateien
Die Audiodateien sind KI-generiert. Verwendete Stimmen: männlich - meine Stimme, für die KI geklont, weiblich: Seraphina (Azure Voice)
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